Ablauf – Heizlastberechnung

Maximilian Deeg
Energie-Effizienz-Experte
Welche Daten fließen in die Heizlastberechnung ein?
Bei der Heizlastberechnung wird ermittelt, welche Wärmeleistung benötigt wird, um das Gebäude auch bei niedrigen Außentemperaturen zuverlässig auf der gewünschten Raumtemperatur zu halten.
Dabei werden unter anderem folgende Faktoren berücksichtigt:
- Größe und Geometrie des Gebäudes
- Flächen der Außenwände
- Fenster und Außentüren
- Dach beziehungsweise oberste Geschossdecke
- Kellerdecke oder Bodenplatte
- energetischer Zustand und Dämmstandard der Bauteile
- gewünschte Raumtemperaturen
- Standort des Gebäudes und die dort anzusetzende Außentemperatur
- Wärmeverluste durch Lüftung
Aus diesen Daten lässt sich bestimmen, wie viel Heizleistung das Gebäude insgesamt und die einzelnen Räume benötigen.
Warum ist eine Heizlastberechnung bei einer Wärmepumpe wichtig?
Gerade bei der Planung einer Wärmepumpe ist eine möglichst genaue Heizlastberechnung wichtig. Die benötigte Heizleistung sollte weder deutlich über- noch unterschätzt werden.
Eine zu groß ausgelegte Wärmepumpe kann häufiger ein- und ausschalten und dadurch ineffizienter arbeiten. Eine zu klein dimensionierte Anlage kann dagegen bei sehr niedrigen Außentemperaturen möglicherweise nicht ausreichend Heizleistung bereitstellen.
Die Heizlastberechnung schafft deshalb eine belastbare Grundlage für die Auswahl und Dimensionierung der Wärmepumpe.
Gleichzeitig liefert sie wichtige Informationen für die weitere Planung des Heizsystems.
Gebäudeheizlast und raumweise Heizlast
Bei einer detaillierten Heizlastberechnung wird nicht nur der Wärmebedarf des gesamten Gebäudes betrachtet. Zusätzlich kann die erforderliche Heizleistung für die einzelnen Räume ermittelt werden.
Die raumweise Heizlast ist insbesondere für die Auslegung der Wärmeübertragung relevant. Sie zeigt beispielsweise, welche Heizleistung ein Heizkörper oder eine Fußbodenheizung in einem bestimmten Raum bereitstellen muss.
Dadurch kann geprüft werden, ob vorhandene Heizflächen für das geplante Heizsystem ausreichend dimensioniert sind oder angepasst werden müssen.
Gerade beim Umstieg auf eine Wärmepumpe ist diese Betrachtung sinnvoll, da Wärmepumpen in der Regel mit niedrigeren Vorlauftemperaturen besonders effizient arbeiten.
Wie wird die Heizlast berechnet?
Die Heizlastberechnung erfolgt nach den geltenden technischen Vorgaben. Dabei werden die Wärmeverluste des Gebäudes beziehungsweise der einzelnen Räume betrachtet.
Ein wesentlicher Bestandteil sind die sogenannten Transmissionswärmeverluste. Dabei handelt es sich um Wärme, die über Bauteile wie Außenwände, Fenster, Dach oder Boden verloren geht.
Zusätzlich werden Lüftungswärmeverluste berücksichtigt, die durch den notwendigen Luftaustausch entstehen.
Aus diesen und weiteren Gebäudedaten ergibt sich die erforderliche Norm-Heizlast. Sie wird in Watt beziehungsweise Kilowatt angegeben und dient anschließend als Grundlage für die Dimensionierung der Heizungsanlage.
Warum reichen Verbrauchswerte allein nicht aus?
Der bisherige Energieverbrauch eines Gebäudes kann einen ersten Hinweis auf den Wärmebedarf geben, ersetzt jedoch keine detaillierte Heizlastberechnung.
Der tatsächliche Verbrauch hängt stark vom individuellen Verhalten der Bewohner ab. Dazu gehören beispielsweise:
- gewünschte Raumtemperaturen
- Lüftungsverhalten
- Anzahl der Bewohner
- zeitweise nicht beheizte Räume
- unterschiedliche Nutzungszeiten
Bei einer Heizlastberechnung wird das Gebäude dagegen anhand seiner baulichen Eigenschaften und unter definierten Bedingungen betrachtet.
Dadurch entsteht eine wesentlich bessere Grundlage für die technische Auslegung einer neuen Heizungsanlage.
Was passiert, wenn Gebäudeunterlagen fehlen?
Für eine genaue Heizlastberechnung benötigen wir möglichst vollständige und bemaßte Gebäudeunterlagen.
Besonders wichtig sind Grundrisse, Gebäudeschnitte sowie Angaben zu Fenstern und Außenbauteilen. Sind diese Informationen nicht oder nur unvollständig vorhanden, können wichtige Flächen und Abmessungen möglicherweise nicht zuverlässig bestimmt werden.
In diesem Fall prüfen wir zunächst, welche Angaben noch fehlen.
Ist eine Berechnung auf Grundlage der vorhandenen Unterlagen nicht möglich, kann eine Aufnahme des Gebäudes vor Ort notwendig werden. Im Rahmen eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) werden die benötigten Gebäudedaten ohnehin aufgenommen. Die Heizlastberechnung kann dann auf dieser Datengrundlage erstellt werden.
Wofür kann die Heizlastberechnung anschließend verwendet werden?
Die Heizlastberechnung bildet eine wichtige Grundlage für verschiedene weitere Planungsschritte.
Dazu gehören insbesondere:
- Dimensionierung einer Wärmepumpe
- Auslegung eines neuen Wärmeerzeugers
- Prüfung vorhandener Heizkörper
- Planung neuer Heizflächen
- Auslegung einer Fußbodenheizung
- Vorbereitung des hydraulischen Abgleichs
- Beurteilung notwendiger Vorlauftemperaturen
Sie ist damit nicht nur ein rechnerischer Nachweis, sondern eine wichtige Grundlage für die Planung eines möglichst effizienten Heizsystems.
Häufige Fragen zur Heizlastberechnung
Wie genau ist eine Heizlastberechnung?
Die Aussagekraft hängt insbesondere von der Qualität und Vollständigkeit der Gebäudedaten ab. Je genauer Abmessungen, Bauteilaufbauten, Fenster und weitere Gebäudeeigenschaften bekannt sind, desto genauer kann die Heizlast ermittelt werden.
Wird die Heizlast für jeden Raum berechnet?
Bei einer raumweisen Heizlastberechnung wird die benötigte Heizleistung für jeden einzelnen beheizten Raum ermittelt. Zusätzlich ergibt sich daraus die Heizlast des gesamten Gebäudes.
Brauche ich eine Heizlastberechnung für eine Wärmepumpe?
Für eine fachgerechte Planung einer Wärmepumpe ist die Heizlast eine wichtige Grundlage. Sie hilft dabei, die notwendige Leistung der Anlage zu bestimmen und eine unnötige Über- oder Unterdimensionierung zu vermeiden.
Ist die Heizlast das Gleiche wie der Energieverbrauch?
Nein. Die Heizlast beschreibt die benötigte Heizleistung zu einem bestimmten Auslegungszustand und wird in Watt beziehungsweise Kilowatt angegeben. Der Energieverbrauch beschreibt dagegen eine Energiemenge über einen bestimmten Zeitraum und wird beispielsweise in Kilowattstunden pro Jahr angegeben.
Was kostet die Heizlastberechnung?
Für ein Einfamilienhaus berechnen wir 400,00 Euro brutto. Für jede weitere Wohneinheit kommen 50,00 Euro brutto hinzu.
